Einführung
In vielen "nichtprofessionellen" analogen Tonstudios ist es leider ein verbreitetes
Übel, daß man um Kabelverbindungen zu ändern orthopädisch unzumutbare Positionen einnehmen
muß, wenn sich z.B. die entsprechenden Buchsen und Stecker hinter einem Schreibtisch, einem Regal
oder ganz hinten im Rackgehäuse, welches an einer Wand steht, befindet. Um dieses Problem zumindest
gesundheitlich zu entschärfen, wurden Patchbays erfunden, die sämtliche Anschlüsse im Studio übersichtlich
an ein zentrales Steckfeld führen, in welches dann bequem und "auf Augenhöhe" mittels kurzer Kabel
"alles mit allem" beliebig verbunden werden kann, was man dann "patchen" nennt. Das Patchen ansich
ist, wenn man erstmal auf eine solche Patchbay setzt, dann auch je nach Projekt mehr oder weniger
häufig an der Tagesordnung: Die Auswahl der Effekte, die an die Auxwege angeschlossen werden müssen,
die Kompressoren, die in die Mischpult-Inserts verteilt werden, und so weiter.
Das ist alles schön und gut, und wenn das Projekt fertig und im Kasten ist, darf man alles wieder auftrennen.
Ruft man später ein Musikstück wieder auf, dann geht allerdings erst mal gar nichts - denn die Konfiguration
der Patchbay muß wiederhergestellt werden; was durchaus möglich, aber je nach Setup zeitaufwändig ist,
und wenn man damals vergessen hat, die Konfiguration auf ein Blatt Papier aufzuschreiben, oder selbiges in den
Untiefen der Ablage für immer verschollen zu sein scheint, dann ist einiges an "Rekonstruktions"arbeit von Nöten.
Um dieses Problem 100%ig zu lösen, habe ich einen MIDI-gesteuerten Analog Router entwickelt und gebaut. Die
Studiogeräte sind
einfach wie an einer Patchbay alle am Gerät anzuschließen. Das Patchen selbst geschieht dann im Gerät, ganz
ohne Patchkabel, und zwar bequem ferngesteuert vom Computer aus. Dort kann die Konfiguration zusammen mit den
Sequenzerdaten abgespeichert, und bei Bedarf in Sekundenschnelle wieder aufgerufen werden. Falls man nicht für "alles"
immer gleich den Computer einschalten will, kann man eine Patchkonfiguration fest im Gerät abspeichern, und
diese von dort aus aufrufen.
Das sensationell Neue ist, daß diese automatische Patchbay, obwohl computergesteuert, aus passiven Schaltern
besteht, die logischerweise keinerlei Veränderungen mit dem Audio-Signal veranstalten können; schließlich ist
der Steuerkreis und die Audiowege komplett getrennt. Das Ganze wird durch eine umfangreiche microcontrollergesteuerte
Matrix aus 448 Relais möglich, welche satte 224 symmetrische Knotenpunkte hat.
Problem gelöst :) Die Matrix bietet zwei bidirektionale Anschlußsets, eines mit 8 Klinkenbuchsen, eines mit 28
Klinkenbuchsen, alles symmetrisch. Dadurch können je nach Bedarf entweder 8 Eingänge und 28 Ausgänge ODER 28 Eingänge
und 8 Ausgänge zur Verfügung stehen. Die Signalpegel können dabei beliebig gewählt werden. "Falsche Routings" werden
automatisch erkannt und unterbunden. Ein praktisches Feature gibt es noch obendrauf: sechs Buchsen sind von der
Rückseite an die Vorderseite gespiegelt. Wenn sich das System also komplett verkabelt im Rack befindet, lassen sich
spontan an die Vorderseite zusätzliche Geräte anbringen, beispielsweise solche, die nur kurzzeitig ins Setup
eingebunden werden sollen; schließlich kommt es im Studiobetrieb mal vor, daß jemand den einen oder anderen
Synth mitbringt.
Das momentane Gerät ist 4 HE groß, ein Gerät mit gleichem Funktionsumfang ist bei Verwendung miniaturisierter Relais
(und natürlich anderer Anschlüsse) auch auf 1 HE möglich.
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